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Interview
Was ist für Sie das Reizvolle an Organisationsberatung?
Ich habe in unterschiedlichen Rollen Erfahrungen mit unterschiedlichsten
Organisationsformen: Am Beginn meiner Berufslaufbahn war ich Angestellte
in einem Großkonzern und in einem Mittelbetrieb, ich hab als freiwillige
Mitarbeiterin beim Roten Kreuz, als gewählte Mandatarin in einer Wiener
Bezirksvertretung gearbeitet, ich war Partnerin in einem Beratungsunternehmen
und bin nun nach der Gründung meines eigenen Unternehmens in mehreren
Netzwerken und Arbeitsgruppen engagiert. Und auch als Beraterin hab ich
die ganze Bandbreite von Konzernen bis zu Kleinbetrieben, von Organisationen
in der öffentlichen Verwaltung bis zu zivilgesellschaftlichen und
politischen Organisationen kennen gelernt. Es ist vor allem diese Vielfalt,
dieses jeweils Neue an jeder Organisation, das den Beraterberuf für
mich so interessant macht.
Welche Organisationen beraten Sie?
Im Prinzip jede Organisation, wobei meine Erfahrung vornehmlich im
Dienstleistungsbereich, im Non-Profit- und im Bereich der öffentlichen Verwaltung liegt. Wichtig
sind vor allem die Erwartungen, die eine Organisation an Beratung hat.
Die Bearbeitung der komplexen Fragestellungen, um die es ja meistens geht,
ist für mich wie eine Abenteuerreise: Als gelernte Reiseführerin
kann ich die Organisation begleiten, kann Gefahren aufzeigen, neue Wege
im unwegsamen Gelände erschließen und unerwartete Ausblicke
entdecken helfen. Wenn die Erwartung ist, die Reise anstelle der Kunden
zu machen oder einen durchgetakteten Reiseplan mit Besichtigung der Sehenswürdigkeiten
aus dem Busfenster zu veranstalten, dann bin ich nicht die Richtige.
Unternehmensberatung, Organisationsberatung – gibt es für
Sie einen Unterschied?
Unterschiedliche Organisationsformen und Tätigkeitsfelder haben ihre
jeweils eigene Logik. In der Beratung hat sich meiner Wahrnehmung nach
eine gewisse Monokultur herausgebildet, die zwar Anspruch erhebt, Modelle
für alle Organisationen anzubieten, in Wahrheit aber versucht, Konzepte
aus dem privatwirtschaftlichen Unternehmertum zu generalisieren. Aber:
Nicht jede Organisation ist ein Unternehmen, nicht jeder Beteiligte oder
Betroffene ein Kunde, nicht jede Tätigkeit ein Produkt und nicht immer
ist es die wichtigste Aufgabe, Gewinne zu machen. In diesem Sinn ist für
mich Organisationsberatung der umfassendere Begriff, der die Verantwortung
der Beraterin herausstreicht, entsprechend dem jeweiligen Organisationskontext
zu agieren.
Neben der Beratung von Unternehmen ist Ihnen ja vor allem die Beratung
von Organisationen des Öffentlichen und der Zivilgesellschaft ein
besonderes Anliegen?
Die derzeitige Herausforderung für die Organisationen im öffentlichen
und zivilgesellschaftlichen Bereich ist, dass sie einerseits tatsächlich
in einer Legimitationskrise stecken und Veränderungsbedarf haben,
dass aber andererseits der Veränderungsdruck von außen fast
ausschließlich in Richtung Ökonomisierung geht. Gleichzeitig
wird in und mit diesen Organisationen Gesellschaft gestaltet. Hier zu unterstützen,
im Spannungsfeld zwischen Effizienzdruck und ureigenster Aufgabe handlungsfähig
zu bleiben, das Spiel zu spielen und doch ein bisschen anders zu spielen,
das ist für mich Verantwortung und Herausforderung für Beratung.
Wie wirkt sich Ihre langjährige Erfahrung im IT-Bereich auf Ihre
Beratungstätigkeit aus?
Eine Auswirkung ist wohl, dass ich schon früh angefangen habe, mich
mit den Möglichkeiten und Grenzen der neuen Kommunikationsformen im
Netz auseinandersetzen. Viele der aktuellen Herausforderungen für
Organisationen wie Vernetzung oder Wissensaustausch sind nur durch mehr
und andere Kommunikation zu bewältigen – und da kann das Netz
als Kommunikationsmedium eine wichtige Ergänzung sein.
Außerdem weiß ich als Nicht-Technikerin, die jahrelang in der
Software-Industrie gearbeitet hat, um die Verständigungsschwierigkeiten
zwischen Management, Anwenderinnen und IT-Dienstleistern und um die Herausforderungen,
die IT-Projekte an jede Organisation stellen. Insofern bringe ich für
die Beratung von Veränderungsvorhaben, die mit IT in Zusammenhang
stehen, spezielle Erfahrung mit und werde diesbezüglich auch häufig
angefragt.
Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung
in der Beratung?
Das ist wohl das Paradox aus Hineingehen – um eine Idee zu bekommen,
was in der Organisation passiert – und gleichzeitig Distanz halten.
Das Einbringen meiner Außenperspektive ist ja genau das, was Kunden
erwarten; und gleichzeitig muss man nah dran sein, sonst entsteht schnell
der Eindruck, dass man als Beraterin von außen „g’scheit“ redet.
Dieses immer wieder Eintauchen in fremde Kontexte und doch die nützliche
Außensicht bewahren: Das ist für mich das Besondere und zugleich
Fordernde dieses Berufs – und bringt die Notwendigkeit von Pausen
und Maßhalten, auch für mich als Beraterin.
Sie haben eingangs Beratungsprozesse als eine Art Abenteuerreise
beschrieben. Ist das nicht manchmal verunsichernd – für
Sie und für
Ihre Kunden?
Sich der unsicheren Zukunft stellen, immer wieder Neues schaffen
im Wissen, dass es wieder vergehen wird, sich von Bekanntem verabschieden
und sich
noch Unbekanntem zuwenden – das sind nicht nur Lebensaufgaben des
Einzelnen sondern auch Lebensthemen von Organisationen. Es braucht ein
gewisses Grundvertrauen in den Prozess, am Anfang nicht zu wissen, wie
die Reise ausgehen wird, und sich trotzdem auf den Weg zu machen. Und das
gilt für meine Kunden und für mich gleichermaßen
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